Soziale Arbeit studieren - Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten und Studienorganisation

Soziale Arbeit studieren - Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten und Studienorganisation

 

 

 

von: Rudolf Bieker, Rudolf Bieker

Kohlhammer Verlag, 2014

ISBN: 9783170256996

Sprache: Deutsch

255 Seiten, Download: 3461 KB

 
Format:  EPUB, PDF, auch als Online-Lesen

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Soziale Arbeit studieren - Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten und Studienorganisation



2          PLANUNG UND ORGANISATION DES STUDIUMS


2.1        Warum Planung wichtig ist


Planung meint den rationalen und rationellen Umgang mit Zeit bezogen auf einen zukünftigen Zeitraum: Wie will ich die kürzere und längere Zeit, die vor mir liegt, verwenden?

Planen bedeutet konkret

•  sich für einen überschaubaren Zeitraum Ziele zu setzen (Was will ich? Worauf will ich hinaus?);

•  die Arbeitsschritte zu definieren, die erforderlich sind, um gewünschte Ziele zu erreichen;

•  einen Zeitplan für die Umsetzung der Arbeitsschritte zu erstellen (Was muss ich wann tun?);

•  nachzuhalten, ob die Umsetzung der Arbeitsschritte erfolgreich verläuft (Gibt es Probleme bei der Umsetzung? Welcher Art sind die Probleme? Was sollte ich ändern?).

Planung gehört bei vielen Studierenden der Sozialen Arbeit nicht gerade zu den beliebten Themen. Manche Studierende setzen Planung sogar unbesehen mit Ver-Planung gleich. Planung erscheint als Gegensatz zu Selbstbestimmung und flexibler Gestaltung von Studium und Studienzeit.

Diese Sichtweise ist bequem, aber wenig nützlich. Das mögliche Risiko von Planung wird kurzerhand zu ihrer Wesenseigenschaft erklärt. In Wirklichkeit sind die Risiken von Planung um einiges kleiner als die Risiken von Planungsverzicht.

Vorteile der Planung

•  Sie ersparen sich Kosten, weil Sie unproduktive Zusatzsemester vermeiden.

•  Sie erzielen Vorteile, weil Sie z. B. Ihr Auslandssemester so rechtzeitig vorbereiten, dass es am Ende auch stattfinden kann.

•  Sie sind zufriedener mit Ihrem Studium, weil Sie die kurze und oft durch Studiengebühren belastete Studienzeit besser ausschöpfen.

•  Sie studieren ergebnisorientierter, weil Sie Ihr Lernen gezielt in die Hand nehmen.

•  Sie gelangen in Ihrem Studienalltag zu einer klareren Struktur, die Studienfrust und Studienunlust entgegen arbeitet.

•  Sie verbessern Ihre Studienergebnisse, weil sie klare Entscheidungen treffen, wann und wie Sie lernen.

•  Sie stärken das Gefühl, eigener Herr über Ihre Zeit zu sein. Damit stärken Sie zugleich Ihre Lern- und Leistungsmotivation.

•  Sie behalten die Übersicht angesichts vielfältiger Anforderungen im Alltag. Dies schützt Sie zugleich vor kontinuierlicher Selbstüberforderung und Verzettelung („Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.“).

•  Sie können gegenüber Bafög-Amt und Studienkreditanstalt rechtzeitig nachweisen, dass Sie ein ordnungsgemäßes Studium betreiben. So bleibt die finanzielle Grundlage Ihres Studiums erhalten.

Wer bereits im Studium seine Planungs- und Organisationsfähigkeit schult, fördert eine Schlüsselkompetenz, die gerade im Berufsalltag der Sozialen Arbeit nicht hoch genug gewichtet werden kann. Von Führungs- und Leitungsaufgaben einmal abgesehen: Wo immer mit einzelnen Klienten oder Familien längerfristig gearbeitet wird, sind Hilfeplanung und Fallmanagement als Methoden des systematischen, zeitlich geordneten Vorgehens heute fest etabliert. Wer es gelernt hat, sich selbst zu organisieren, kann auch andere Menschen besser darin unterstützen, Ordnung in ihren überfordernden Lebensalltag zu bringen.

Damit zielorientierte Planung nicht „im luftleeren Raum“ zerschellt, muss sie nicht nur die Rahmenbedingungen des Studiums berücksichtigen, sie muss selbstredend auch zu Ihrer persönlichen Lebenssituation passen. Je komplexeren Anforderungen Sie außerhalb Ihrer Rolle als Student ausgesetzt sind, desto mehr nimmt zwar der Freiheitsgrad Ihrer Gestaltung ab, desto wichtiger wird auf der anderen Seite aber Planung. Viele Studierende müssen heute eine Vielzahl von Anforderungen unter „einen Hut bringen“. In Kap. 2.3 („Strategische Ziele setzen“) wird deshalb auch der private, außeruniversitäre Lebensbereich in die Betrachtungen einfließen. Betrachten wir zunächst den formellen Rahmen des Studiums.

2.2        Studienprogramm als Rahmenvorgabe


In der Studien- und Prüfungsordnung legt jede Hochschule fest, aus welchen inhaltlichen Elementen sich das Studium zusammensetzt und wie diese im Studienablauf angeordnet sind. Um persönliche Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen, sollten Sie sich gleich zu Beginn des Studiums mit diesem Regelwerk vertraut machen. Wichtige Informationen für Ihre Studienplanung können aber auch andere Medien enthalten, z. B.

•  das sog. Modulhandbuch, das jedes einzelne Studienelement nach Inhalt, Umfang und Anforderungen detailliert beschreibt;

•  fachbereichsinterne Materialien zu den einzelnen Studiengängen;

•  kommentierte Vorlesungsverzeichnisse;

•  spezielle Infoveranstaltungen zu angebotenen Projekten;

•  schriftliche Hinweise zu Prüfungen;

•  Aushänge in Schaukästen.

Wichtig ist, alle (!) verfügbaren Informationsmedien für die zielorientierte Gestaltung des Studiums zu nutzen. Ohne oder mit Account lassen sich viele planungsrelevante Informationen heute auf der Homepage eines Fachbereichs abrufen. Ein Beispiel: Von großer Bedeutung kann der Hinweis sein, dass nicht jede Lehrveranstaltung in jedem Semester angeboten wird. Dies nicht beachtet zu haben, macht die eigene Planung schnell zur Makulatur. Im schlimmsten Fall verzögert sich sogar der Abschluss des Studiums, weil die Leistung nicht zum geplanten Zeitpunkt erbracht werden konnte.

Was Sie aus der für Ihre persönliche Studienplanung entnehmen können (Beispiele)

•  Wie das Studium aufgebaut ist;

•  welche Module Pflichtmodule sind und zwischen welchen Modulen gewählt werden kann;

•  welche Prüfung welche andere Prüfung voraussetzt;

•  wann Sie die Lehrveranstaltung für ein bestimmtes Modul frühestens belegen können oder wann Sie Ihre Bachelor- oder Masterarbeit frühestens anmelden können;

•  welche Anforderungen an Studienleistungen (z. B. Hausarbeiten) gestellt werden;

•  ob bzw. welche Schwerpunkte Sie wann wählen können;

•  welches Gewicht welches Modul bei der Ermittlung der Endnote des Studiums hat;

•  wann Ihr Praxissemester ansteht und ob Sie dieses vorziehen oder nachverlagern können;

•  wie Prüfungsleistungen bewertet werden;

•  wie oft Sie eine Prüfungsleistung wiederholen können;

•  was passiert, wenn Sie eine Prüfung nicht antreten etc.

Das inhaltliche Studienprogramm wird von Semester zu Semester in ein Veranstaltungsprogramm gegossen. Je nach Größe eines Fachbereichs können Sie zwischen mehreren parallelen Lehr- und Lernangeboten zu den einzelnen Modulen wählen. Wenn sie sich das frisch gedruckte und/oder ins Netz gestellte Vorlesungsverzeichnis gleich besorgen, können Sie mit Ihren Planungen frühzeitig beginnen. Beachten Sie aber nachträgliche Änderungen.

2.3        Strategische Ziele für Studium und Studienzeit


Versuchen Sie sich zu Beginn des Studiums, regelmäßig aber auch in seinem weiteren Verlauf, klar darüber zu werden, welche Ziele Sie mit Ihrem Studium und in Ihrer Studienzeit persönlich erreichen möchten. Wer ein Ziel hat, hat eine Leitlinie. Ziele motivieren zum Handeln; sie verhindern das bloße vor sich Hintreiben, das über kurz oder lang zu Unzufriedenheit führt. Die folgenden Fragen können Ihnen helfen, herauszufinden, welche Ziele Ihnen bezogen auf Ihr Studium wichtig erscheinen. Die Fragen betreffen grundlegende, längerfristig ausgerichtete Entscheidungen („strategische Entscheidungen“). Einzelne dieser Entscheidungen werden Sie erst im weiteren Verlauf des Studiums treffen können.

Strategische Fragen

•  Strebe ich mit meinem Studium ein spezielles berufliches Ziel an (z. B. Tätigkeit in einem bestimmten Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit)?

•  Will ich mich im Gegensatz dazu bewusst offen halten, um unbekannte Territorien der Sozialen Arbeit kennen zu lernen (sehr zu empfehlen!)? Welche Auswirkungen hat dies...

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