Achtsamkeit für Menschen mit Autismus - Ein Ratgeber für Erwachsene mit ASS und deren Betreuer

Achtsamkeit für Menschen mit Autismus - Ein Ratgeber für Erwachsene mit ASS und deren Betreuer

 

 

 

von: Annelies Spek

Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber), 2012

ISBN: 9783456850917

Sprache: Deutsch

200 Seiten, Download: 3858 KB

 
Format:  EPUB, PDF, auch als Online-Lesen

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Achtsamkeit für Menschen mit Autismus - Ein Ratgeber für Erwachsene mit ASS und deren Betreuer



Einschränkungen der Kommunikation

Es fällt Menschen mit Autismus oft schwer, in der Kommunikation gut auf den anderen einzugehen. Sie sprechen zu wenig oder zu viel und haben Schwierigkeiten, die Erwartungen ihrer Gesprächspartner zu erspüren. So kommt es vor, dass sie zu lange über dasselbe Thema reden und nicht merken, wann andere das Interesse verlieren. Bei Menschen mit Autismus hat Kommunikation normalerweise die Funktion, Informationen zu übermitteln. Smalltalk ist daher nicht unbedingt ihre Sache. Außerdem neigen sie dazu, Sprache wörtlich zu nehmen, und verstehen darum Scherze und bildliche Redewendungen nicht immer richtig. Daneben haben sie Schwierigkeiten, nonverbale Kommunikation (etwa durch Gesten und Körperhaltung) richtig einzuschätzen und anzuwenden. Ein weiteres Problem liegt für sie darin, sich Dinge vorzustellen, die zur Zeit nicht vorhanden sind.

Menschen mit Autismus gehen oft sehr kreativ mit Sprache um und haben einen eigenen Humor. Ein Teil der Menschen mit Autismus ist sehr genau im Sprachgebrauch. Dadurch können sie gut sprachliche Fehler und Eigenheiten erkennen.

Stereotype Muster

Menschen mit Autismus denken und arbeiten im Allgemeinen sehr detailliert. Mit ihren Hobbys und Interessen beschäftigen sie sich daher intensiver als andere. Sie widmen ihnen mehr Zeit, und es fällt ihnen schwerer aufzuhören, wenn ihre Umgebung es verlangt. Der Vorteil ihrer detailverliebten Arbeitsweise besteht darin, dass sie sehr viel Wissen auf bestimmten Gebieten ansammeln und dadurch anderen als wandelndes Lexikon dienen können.

Außerdem neigen Menschen mit Autismus stark dazu, Tätigkeiten immer auf dieselbe Art und Weise auszuführen. Dadurch entwickeln sie Verhaltensroutinen (Aktivitäten, die immer nach demselben Muster ausgeführt werden). Sie haben oft Schwierigkeiten, wenn ihre Routine unterbrochen wird; Veränderungen allgemein bereiten ihnen Probleme. Für andere Menschen bedeutet Urlaub zum Beispiel Ruhe und Entspannung, aber für Menschen mit Autismus gilt das in der Regel nicht. Im Urlaub ist die Umgebung anders als zu Hause, sodass sie sich nicht an ihrer täglichen Routine festhalten können. Menschen mit Autismus sind im Allgemeinen sehr konsequent und zuverlässig. Was sie tun, machen sie gut, und kennen oft die beste Methode, die Dinge anzugehen.

Kognitive Merkmale

Menschen mit Autismus denken im Allgemeinen anders als andere Menschen. Sie verarbeiten Informationen auf ihre eigene Art. In der Literatur werden vor allem Besonderheiten beschrieben auf dem Gebiet der Theory of Mind, der zentralen Kohärenz und der Exekutivfunktionen. Die Besonderheiten auf diesen Gebieten werden in diesem Abschnitt kurz vorgestellt.

Theory of Mind

Theory of Mind bezeichnet das Vermögen, sich in einen anderen hineinzuversetzen und so sein Verhalten zu verstehen, zu erklären und vorherzusagen. Dabei ist es wichtig zu erkennen, dass der andere möglicherweise etwas anderes denkt, fühlt oder erlebt als man selbst. Bei Menschen mit Autismus ist die Theory of Mind oft weniger entwickelt, und dadurch fällt es ihnen relativ schwer, soziale Situationen adäquat einzuschätzen (Baron-Cohen, Leslie & Frith, 1985). Aus diesem Grund versteht die Person mit Autismus Menschen in ihrer Umgebung manchmal nicht; auch umgekehrt ist das häufig der Fall. Für Menschen mit Autismus ist es wichtig, dass die Menschen in ihrer Umgebung klar sagen, was sie von ihnen erwarten. Das hilft ihnen dabei, mit anderen zusammenzuarbeiten und zu leben.

Zentrale Kohärenz

Zentrale Kohärenz wird beschrieben als das Vermögen, Informationen zu einem sinnvollen, zusammenhängenden Ganzen zu integrieren. Während Menschen ohne Autismus bei Informationen in der Regel zuerst die grobe Richtung wahrnehmen, konzentrieren sich Menschen mit Autismus oft stark auf die Einzelheiten. Sie verarbeiten Informationen im Bottom-up-Verfahren und möchten zuerst sämtliche Details genau wissen. Erst danach können sie sich um den Zusammenhang und das große Ganze kümmern (Frith, 2003, Happé & Frith, 2006). Der Nachteil dabei ist, dass die Informationsverarbeitung sie mehr Zeit kostet und dass sie nicht immer ein Gesamtbild entwickeln, vor allem, wenn sie in den Details «steckenbleiben». Der Vorteil dabei ist, dass sie mehr Detailinformationen wahrnehmen und gründlicher auf den Stoff eingehen als andere; dadurch sammeln sie über das betreffende Thema letzten Endes oft mehr (Detail-)Wissen an.

Exekutivfunktionen

Die Exekutivfunktionen betreffen das Vermögen, adäquat auf eine sich ständig verändernde Umgebung zu reagieren. In Situationen, in denen neue Informationen auftauchen, sind wir gezwungen, flexibel zu reagieren. Wir müssen dann zum Beispiel unsere Pläne und unsere Reaktionsweise anpassen. Dazu müssen wir Informationen in Handlungen umsetzen. Mit diesen Aspekten haben viele Menschen mit Autismus Schwierigkeiten. Sie stecken oft in einem bestimmten Denkund Verhaltensmuster fest und haben Mühe, dieses bei Bedarf flexibel anzupassen (Ozonoff, South & Provencal, 2005; Rumsey, 1985). Dadurch bereiten ihnen Veränderungen am Arbeitsplatz, zum Beispiel bei Reorganisationen, oft Probleme.

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